Suche nach „Kräuter gegen PMS“ und du findest jede Menge ziemlich selbstbewusste Empfehlungen.
Kamille. Ingwer. Melisse. Fenchel. Mönchspfeffer. Irgendeine geheimnisvolle Mischung aus zwölf Pflanzen, die angeblich deine „Hormone ins Gleichgewicht bringt“, bevor das Wasser im Wasserkocher überhaupt kocht.
Aber welche Kräuter bei PMS wurden tatsächlich wissenschaftlich untersucht?
Eine Reihe pflanzlicher Wirkstoffe wurde im Zusammenhang mit dem prämenstruellen Syndrom (PMS) oder einzelnen prämenstruellen Beschwerden untersucht. Manche haben eine lange Geschichte in der traditionellen Pflanzenheilkunde. Bei anderen gibt es erste interessante, aber noch begrenzte klinische Forschung.
Entscheidend ist, zu verstehen, was diese Forschung tatsächlich aussagt.
Eine Studie mit einem Pflanzenextrakt, einer Kapsel oder einem standardisierten Präparat beweist nicht automatisch, dass die Pflanze an sich „PMS behandelt“. Und sie bedeutet erst recht nicht, dass ein Tee mit derselben Zutat eine vergleichbare Wirkung hat.
Statt also die nächste Liste angeblicher Wunderkräuter gegen PMS zusammenzustellen, schauen wir genauer hin: Was wurde tatsächlich untersucht? Wo endet traditionelle Anwendung und wo beginnt klinische Evidenz? Und warum brauchen Formulierungen wie „Studien deuten darauf hin“ meist etwas mehr Kontext, als ihnen online gegönnt wird?
Wasserkocher optional.
Skeptisch hochgezogene Augenbraue ausdrücklich erwünscht.
Erst einmal: Was ist PMS?
PMS steht für prämenstruelles Syndrom. Der Begriff beschreibt eine Gruppe körperlicher und psychischer Beschwerden, die in Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auftreten.
Die Symptome entwickeln sich typischerweise vor der Menstruation und klingen mit Beginn der Regelblutung wieder ab. Dazu können Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen, Brustspannen, Schlafprobleme und Heißhunger gehören. Deutsche Gesundheitsinformationen beschreiben PMS ebenfalls als regelmäßig wiederkehrende körperliche und psychische Beschwerden vor der Periode.
Fachleute gehen nicht davon aus, dass PMS einfach dadurch entsteht, dass von einem bestimmten Hormon „zu viel“ oder „zu wenig“ vorhanden ist. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Menschen mit PMS scheinen aber möglicherweise besonders empfindlich auf normale hormonelle Veränderungen im Zyklus zu reagieren. Auch Botenstoffe im Gehirn, darunter Serotonin, könnten eine Rolle spielen.
Das ist einer der Gründe, warum wir bei Versprechen wie „weibliche Hormone ganz natürlich ausgleichen“ ziemlich schnell misstrauisch werden.
PMS ist komplizierter.
Wenn Stimmungsschwankungen zu deinen auffälligsten prämenstruellen Beschwerden gehören, findest du in unserem Guide zu PMS und Stimmungsschwankungen mehr darüber, was die Forschung derzeit über Menstruationszyklus und Emotionen weiß.
Kräuter bei PMS: Was wurde eigentlich genau untersucht?
Dieser Teil geht online erstaunlich schnell verloren.
Stell dir vor, Teilnehmende einer Studie bekommen eine standardisierte Kapsel mit einem bestimmten Pflanzenextrakt. Anschließend verändern sich ihre PMS-Symptomwerte.
Dann hat diese Studie Folgendes untersucht:
dieses Präparat + diese Dosierung + diese Teilnehmenden + dieses Studiendesign.
Sie hat nicht automatisch jedes denkbare Produkt mit dieser Pflanze untersucht.
Ein Kräutertee kann andere Pflanzenstoffe lösen und diese in ganz anderen Mengen enthalten. Eine Tinktur ist wieder etwas anderes. Genauso Pulver, konzentrierte Extrakte oder ätherische Öle.
Auch bei der europäischen Bewertung pflanzlicher Arzneimittel werden konkrete pflanzliche Zubereitungen und ihre jeweilige Datenlage betrachtet.
Oder kurz:
Die Pflanze ist wichtig. Die Zubereitung ist wichtig. Die Dosierung ist wichtig.
Nervig differenziert, wir wissen.
Kamille und PMS
Kamille (Matricaria chamomilla bzw. Matricaria recutita) ist wahrscheinlich eine der ersten Pflanzen, auf die du stößt, wenn du nach natürlichen Mitteln gegen PMS suchst.
Und sie wurde tatsächlich wissenschaftlich untersucht.
Klinische Forschung hat sich mit Kamillenpräparaten bei prämenstruellen Beschwerden beschäftigt. Kamille taucht außerdem in wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten zu pflanzlichen Präparaten bei PMS auf.
Das macht Kamille aus Forschungssicht interessant.
Es macht aber nicht automatisch jedes Kamillenprodukt zu einer PMS-Behandlung.
Wenn eine Studie einen bestimmten Extrakt oder eine konkrete Zubereitung untersucht, können wir das Ergebnis nicht einfach auf einen Kamillenteebeutel aus dem Supermarkt übertragen und davon ausgehen, dass die Wirkung identisch ist.
Unser Fazit: Kamille gehört zu den Pflanzen, die im Zusammenhang mit PMS untersucht wurden. Die vorhandene Evidenz reicht aber nicht aus, um gewöhnlichen Kamillentee als nachgewiesene Behandlung von PMS zu bezeichnen.
Dein gemütlicher Kamillentee am Abend darf natürlich trotzdem bleiben.
Melisse und PMS
Auch Melisse (Melissa officinalis) ist interessant.
Sie hat eine lange Tradition in der Pflanzenheilkunde, und bestimmte Melissenpräparate wurden auch im Zusammenhang mit prämenstruellen Beschwerden untersucht.
Eine randomisierte klinische Studie mit Schülerinnen untersuchte Melisse in Kapselform und berichtete im Vergleich zu Placebo über Verbesserungen bei PMS-Symptomen.
Das ist durchaus interessant und verdient weitere Forschung.
Aber schau dir diese zwei Wörter noch einmal an:
Melisse-Kapseln.
Nicht Melissentee.
Nicht jedes Produkt mit Melisse.
Und auch kein Beweis dafür, dass Melisse bei allen Menschen mit PMS dieselbe Wirkung hat.
Unser Fazit: Es gibt einige klinische Untersuchungen zu Melisse und PMS. Die Evidenz ist jedoch begrenzt, und Ergebnisse zu einer bestimmten Kapsel lassen sich nicht automatisch auf eine Tasse Melissentee übertragen.
Mönchspfeffer und PMS
Mönchspfeffer, botanisch Vitex agnus-castus, gehört zu den bekanntesten pflanzlichen Produkten, die gezielt im Zusammenhang mit PMS verwendet werden.
Im Gegensatz zu vielen Pflanzen, die relativ beliebig auf Online-Listen mit den „besten Kräutern gegen PMS“ landen, gibt es zu Mönchspfeffer eine deutlich größere Menge PMS-spezifischer Forschung.
Auch deutschsprachige Gesundheitsinformationen führen Mönchspfeffer unter den pflanzlichen Präparaten auf, die Menschen bei PMS ausprobieren. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass es insgesamt nur wenige aussagekräftige Studien zu vielen PMS-Behandlungen gibt und die Wirksamkeit verschiedener Ansätze daher unklar bleibt.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat zudem bestimmte Zubereitungen aus Mönchspfefferfrüchten als pflanzliche Arzneimittel bewertet.
Und hier kommt wieder unser Lieblingssatz:
Die Zubereitung ist entscheidend.
Ein standardisierter Mönchspfefferextrakt aus einer Studie oder einem zugelassenen pflanzlichen Arzneimittel ist nicht automatisch mit jedem Nahrungsergänzungsmittel, Tee oder selbst angesetzten Produkt aus Mönchspfeffer vergleichbar.
Unser Fazit: Mönchspfeffer gehört zu den besser untersuchten Pflanzen im Zusammenhang mit PMS. Die Evidenz bezieht sich jedoch auf konkrete Präparate und darf nicht einfach auf jedes Produkt mit Mönchspfeffer übertragen werden.
Wenn du Mönchspfeffer als Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliches Arzneimittel einnehmen möchtest, ist es sinnvoll, vorher ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einzuholen, insbesondere wenn du Medikamente einnimmst.
Ashwagandha und PMS
Ashwagandha (Withania somnifera) ist momentan wirklich überall.
Stress? Ashwagandha.
Schlaf? Ashwagandha.
Stimmung? Ashwagandha.
Dein Chef legt freitags um 16:45 Uhr noch ein Meeting in den Kalender? Das Internet empfiehlt wahrscheinlich Ashwagandha.
Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Forschung zu Ashwagandha, unter anderem in Zusammenhang mit Stress und Schlaf.
Für einen Artikel über Kräuter bei PMS ist allerdings ein Unterschied besonders wichtig:
Dass eine Pflanze bei Stress untersucht wurde, ist nicht automatisch ein Beleg dafür, dass sie PMS behandelt.
PMS kann emotionale Beschwerden wie Reizbarkeit, Angst oder Stimmungsschwankungen umfassen. Daraus folgt aber nicht, dass alles, was in einem anderen Kontext gegen ähnliche Symptome untersucht wurde, plötzlich als PMS-Behandlung gilt.
Hinzu kommt wieder das bekannte Problem der Zubereitung. Ein großer Teil der klinischen Forschung zu Ashwagandha bezieht sich auf standardisierte Extrakte oder Nahrungsergänzungsmittel, nicht auf Kräutertee.
Und gerade Ashwagandha zeigt noch ein weiteres Problem vieler Wellness-Inhalte: Der Sprung von „wurde im Zusammenhang mit Stress untersucht“ zu „bringt deine Hormone ins Gleichgewicht“ ist online erstaunlich kurz.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist außerdem darauf hin, dass Ashwagandha-Präparate gesundheitliche Risiken bergen können und unter anderem bestimmte Personengruppen besonders vorsichtig sein sollten.
Unser Fazit: Ashwagandha wurde unter anderem im Zusammenhang mit Stress und Schlaf untersucht. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass die Pflanze PMS behandelt oder „weibliche Hormone ausgleicht“.
Beliebtes PMS-Kraut im Internet?
Ja.
Nachgewiesene PMS-Lösung?
Das ist eine ganz andere Frage.
Safran und PMS
Safran (Crocus sativus) ist besonders interessant, weil er im Gegensatz zu vielen Pflanzen, die online beiläufig gegen PMS empfohlen werden, tatsächlich gezielt bei Menschen mit prämenstruellem Syndrom untersucht wurde.
Eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie untersuchte ein Safranpräparat bei Frauen mit PMS und berichtete über Verbesserungen bei bestimmten Symptomwerten im Vergleich zu Placebo.
Das macht Safran zu einem interessanten Kandidaten für weitere Forschung.
Es erlaubt uns aber noch lange nicht, direkt zu:
„Safran behandelt PMS.“
überzugehen.
Eine einzelne klinische Studie ist noch kein endgültiger Wirksamkeitsnachweis. Studiengröße, Auswahl der Teilnehmenden, Dosierung, Dauer, Methodik und die Bestätigung durch weitere Untersuchungen spielen eine Rolle.
Und wieder betrifft die Forschung eine konkrete Safranzubereitung in einer bestimmten Dosierung, nicht automatisch Safrantee oder die Menge Safran, die zufällig in deinem Abendessen landet.
Unser Fazit: Es gibt interessante PMS-spezifische Forschung zu Safran. Für allgemeine Aussagen über die Wirksamkeit oder die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Safranprodukte ist die Evidenz jedoch nicht ausreichend.
Welche Kräuter wurden bei PMS tatsächlich untersucht?
Hier hilft es, PMS-spezifische Forschung klar von allgemeiner Wellness-Forschung zu trennen.
Pflanzen wie Mönchspfeffer, Kamille, Melisse und Safran wurden gezielt im Zusammenhang mit PMS oder prämenstruellen Beschwerden untersucht.
Ashwagandha ist ein etwas anderer Fall. Die Pflanze wird online häufig im Zusammenhang mit PMS, Stress und Hormonen empfohlen, doch ein großer Teil der klinischen Forschung beschäftigt sich mit anderen Themen wie Stress oder Schlaf.
Das klingt vielleicht kleinlich.
Ist es aber nicht.
Wenn eine Studie zeigt, dass ein Pflanzenpräparat bei Erwachsenen bestimmte Stresswerte beeinflusst, dürfen wir die Überschrift nicht heimlich umformulieren zu:
„Wissenschaft beweist: Dieses Kraut hilft bei PMS.“
PMS ist ein spezifisches, zyklusabhängiges Beschwerdebild.
Die Evidenz muss zu der Behauptung passen, die daraus gemacht wird.
Eine erstaunlich einfache Regel, mit der sich ungefähr 73 Prozent fragwürdiger Wellness-Inhalte im Internet erledigen würden.
Traditionelle Anwendung und klinische Evidenz sind nicht dasselbe
Menschen nutzten Pflanzen zu medizinischen Zwecken schon ziemlich lange, bevor PubMed erfunden wurde.
Traditionelle Anwendung kann uns also durchaus interessante Informationen darüber geben, wie bestimmte Pflanzen über Generationen und in unterschiedlichen Kulturen eingesetzt wurden.
Wichtig ist nur, traditionelle medizinische Anwendung nicht mit klinischem Wirksamkeitsnachweis zu verwechseln.
Dieser Unterschied findet sich auch in der europäischen Regulierung pflanzlicher Arzneimittel. Dort wird zwischen verschiedenen Arten der belegten Anwendung unterschieden, wobei eine langjährige traditionelle Anwendung nicht automatisch dasselbe bedeutet wie eine durch klinische Daten etablierte Wirksamkeit.
Wenn du also liest:
„Traditionell angewendet bei …“
ist das nicht einfach eine andere Formulierung für:
„Klinisch nachgewiesen wirksam bei …“
Beides kann interessante Information sein.
Es beantwortet nur unterschiedliche Fragen.
Wie sieht die Forschung zu Kräutern bei PMS insgesamt aus?
Es gibt systematische Übersichtsarbeiten zu pflanzlichen Präparaten, die bei PMS untersucht wurden.
Darin finden sich verschiedene Pflanzen und teilweise positive Ergebnisse für bestimmte Präparate.
Klingt zunächst großartig.
Aber bei systematischen Reviews zu pflanzlichen Behandlungen gibt es ein wichtiges Problem:
Die einzelnen Studien untersuchen nicht zwangsläufig dasselbe.
Unterschiedliche Forschungsgruppen verwenden andere Extrakte, Dosierungen, Einnahmezeiträume und Methoden zur Erfassung von PMS-Symptomen. Häufig sind auch die Teilnehmerzahlen relativ klein.
Dadurch wird es deutlich schwieriger, zu dem wunderbar einfachen Ergebnis zu kommen, das wir wahrscheinlich alle gern hätten:
Pflanze X nehmen. PMS erledigt. Gern geschehen.
Auch deutsche Patienteninformationen weisen darauf hin, dass es bislang nur wenige aussagekräftige Studien zur Behandlung von PMS gibt und der Nutzen vieler eingesetzter Methoden deshalb noch unklar ist.
Das bedeutet nicht, dass pflanzliche Ansätze nachweislich nutzlos sind.
Es bedeutet:
Die Evidenz ist begrenzt.
Das ist ein Unterschied.
Fehlende Belege bedeuten nicht „nachweislich wirkungslos“
Dieser Punkt ist gerade beim Thema Kräuter gegen PMS wichtig.
In der Frauengesundheit im Allgemeinen und bei Menstruationsthemen im Besonderen bestehen weiterhin Forschungslücken.
Auch bei traditionellen pflanzlichen Anwendungen gibt es erhebliche Evidenzlücken.
Große, gut konzipierte klinische Studien sind teuer. Pflanzenforschung bringt zusätzlich praktische Schwierigkeiten mit sich, weil sich Pflanzenmaterial, Extrakte und Zubereitungen stark unterscheiden können.
Wenn also nicht genügend hochwertige Forschung vorliegt, dürfen wir daraus zwei Dinge nicht automatisch schließen.
Nummer eins:
„Es wirkt definitiv, weil Menschen es schon seit Generationen verwenden.“
Und Nummer zwei:
„Es wirkt definitiv nicht, weil es nicht genug Forschung gibt.“
Manchmal lautet die wissenschaftlich korrekte Antwort schlicht:
Wir wissen es noch nicht.
Wenn du persönlich vor deiner Periode bestimmte Kräuter verwendest oder einen Kräutertee trinkst und das als angenehm empfindest oder als wertvollen Teil deiner Routine erlebst, wird diese Erfahrung nicht dadurch ungültig, dass es dafür keine klinischen Belege gibt.
Sie erlaubt uns nur nicht, daraus zu schließen, dass die Pflanze eine bestimmte therapeutische Wirkung hatte, dass sie tatsächlich die Ursache für die Veränderung war oder dass jemand anderes dieselbe Erfahrung machen wird.
Persönliche Erfahrung und klinische Evidenz können gleichzeitig existieren, ohne dass wir so tun müssen, als wären sie dasselbe.
Stell dir vor.
Was sind also die besten Kräuter bei PMS?
Wenn du gehofft hast, dass wir sie jetzt von Gebärmutter-approved bis kann weg sortieren, müssen wir dich enttäuschen.
Es gibt derzeit nicht genügend konsistente Evidenz, um eine Pflanze zum besten Kraut gegen PMS zu küren.
Einige, darunter Mönchspfeffer, wurden spezifischer und umfangreicher im Zusammenhang mit PMS untersucht.
Andere wie Kamille, Melisse und Safran wurden ebenfalls bei prämenstruellen Beschwerden untersucht, aber die Datenlage bleibt begrenzt.
Und dann gibt es Trendpflanzen wie Ashwagandha, bei denen Forschung zu Stress oder Schlaf sehr schnell in PMS- und Hormonversprechen umformuliert wird, obwohl die Studien das gar nicht gezeigt haben.
Vor allem gilt:
Forschung zu einer Pflanze ist nicht automatisch Forschung zu Tee aus dieser Pflanze.
Das Internet wäre deutlich weniger aufregend, wenn dieser Satz in jedem Artikel über pflanzliche Gesundheit stehen würde.
Es wäre allerdings auch wesentlich genauer.
Und was ist mit Kräutertee?
Hier geben wir Tee gern die Anerkennung für etwas, das er ganz sicher kann:
Tee sein.
Das Ritual kann ziemlich schön sein.
Wasserkocher an.
Lieblingstasse suchen.
Handy irgendwo hinlegen, wo es dich zehn Minuten lang nicht anschreien kann.
Hinsetzen.
Ein Kräutertee muss weder behaupten, deine Hormone auszugleichen, noch PMS behandeln, um Teil deiner Routine vor der Periode sein zu dürfen.
Und genau das steckt hinter unserem Stay Calm and Drink On Kräutertee.
Eine Kräutermischung für die Momente, in denen sich alles ein bisschen nach zu viel anfühlt und du die Lautstärke der Welt gern ein paar Stufen herunterdrehen würdest, während du dir eine Tasse Tee machst.
Wir werden dir nicht erzählen, dass er PMS behandelt.
Wir werden dir nicht erzählen, dass er deine „weiblichen Hormone ausgleicht“.
Und wir werden dir ganz sicher nicht versprechen, dass eine Tasse dich in eine tiefenentspannte Waldgöttin verwandelt, die plötzlich keinerlei Bedürfnis mehr verspürt, den Laptop aus dem Fenster zu werfen.
Es ist Tee.
Ziemlich guter Tee sogar.
Manchmal reicht das Ritual völlig aus.
Wann Kräuter nicht die Antwort sind
PMS kann von relativ leichten Beschwerden bis hin zu Symptomen reichen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Wenn deine prämenstruellen Beschwerden regelmäßig Arbeit, Ausbildung, Beziehungen, Schlaf oder normale Alltagsaktivitäten beeinträchtigen, solltest du mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson darüber sprechen. Deutschsprachige Gesundheitsinformationen weisen ebenfalls darauf hin, dass ausgeprägte PMS-Beschwerden Alltag und Beziehungen deutlich belasten können.
Schwere zyklisch auftretende psychische Beschwerden können außerdem mit einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) zusammenhängen.
Mehr über die Unterschiede erfährst du in unserem Guide zu PMS vs. PMDS: Was ist der Unterschied?.
Kräuter können interessant sein.
Tee kann guttun.
Beides sollte aber nicht dazu führen, dass du schwere Beschwerden als etwas akzeptierst, das du einfach allein irgendwie in den Griff bekommen musst.
Fazit
Es gibt Forschung zu Kräutern bei PMS. Die Datenlage ist allerdings erheblich komplizierter, als viele Online-Listen vermuten lassen.
Pflanzen wie Mönchspfeffer, Kamille, Melisse und Safran wurden gezielt im Zusammenhang mit PMS oder prämenstruellen Beschwerden untersucht.
Andere Trendpflanzen wie Ashwagandha verfügen über interessante Forschung in Bereichen wie Stress oder Schlaf. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass sie PMS behandeln.
Nicht jede Pflanze wurde gleich gut untersucht.
Nicht jede Studie verwendet dieselbe Zubereitung.
Und Forschung zu einer Kapsel, einem Extrakt oder einem standardisierten Präparat kann nicht automatisch auf einen Kräutertee übertragen werden.
Auch traditionelle Anwendung ist interessant, aber sie ist nicht dasselbe wie klinische Evidenz.
Gleichzeitig bedeutet begrenzte Forschung nicht, dass etwas nachweislich wirkungslos ist. Gerade bei Menstruationsgesundheit und pflanzlichen Präparaten bleiben viele Fragen offen.
Sei also neugierig auf Pflanzen.
Genieß deinen Tee.
Achte darauf, was sich für dich angenehm anfühlt.
Und sei vorsichtig bei allen, die dir versprechen, dass eine einzige Wunderpflanze deine Hormone ausgleicht, dein PMS repariert und dafür sorgt, dass du unerklärlicherweise erfreut bist, eine E-Mail mit dem Betreff „Kurze Erinnerung …“ zu bekommen.
Manche Dinge übersteigen selbst die Kräfte der Pflanzenwelt.
Quellen & weiterführende Informationen
gesund.bund.de: Prämenstruelles Syndrom (PMS)
Deutschsprachige Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Behandlung von PMS. Die Seite weist außerdem darauf hin, dass die Ursachen nicht abschließend geklärt sind und der Nutzen vieler Behandlungen aufgrund begrenzter Studienlage weiterhin unklar ist. https://gesund.bund.de/praemenstruelles-syndrom-pms
Gesundheitsinformation.de: Prämenstruelles Syndrom (PMS)
Patienteninformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), unter anderem zu PMS-Symptomen, hormonellen Zusammenhängen, pflanzlichen Präparaten und der begrenzten Evidenz vieler Behandlungsansätze. https://www.gesundheitsinformation.de/praemenstruelles-syndrom-pms.html
European Medicines Agency (EMA): Agni casti fructus
Europäische Bewertungsunterlagen zu Mönchspfefferfrüchten (Vitex agnus-castus) und bestimmten pflanzlichen Arzneimittelzubereitungen. EMA: Agni casti fructus
Jafari F et al. (2018). The effectiveness and safety of Iranian herbal medicines for treatment of premenstrual syndrome: A systematic review. Avicenna Journal of Phytomedicine, 8(2), 96–113. PubMed: Herbal medicines for PMS
Akbarzadeh M et al. (2015). Effect of Melissa officinalis capsule on the intensity of premenstrual syndrome symptoms in high school girl students. Nursing and Midwifery Studies, 4(2), e27001. PubMed: Lemon balm and PMS
Agha-Hosseini M et al. (2008). Crocus sativus L. (saffron) in the treatment of premenstrual syndrome: a double-blind, randomised and placebo-controlled trial. BJOG, 115(4), 515–519. PubMed: Saffron and PMS
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Ashwagandha
Das BfR weist auf mögliche gesundheitliche Risiken von Ashwagandha-Präparaten hin. Bestimmte Personengruppen, darunter Schwangere und Stillende sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, sollten besonders vorsichtig sein. https://www.bfr.bund.de/mitteilung/ashwagandha-schlafbeeren-praeparate-mit-moeglichen-gesundheitsrisiken/
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist nicht zur Diagnose oder Behandlung gedacht und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel sind nicht für alle Menschen geeignet und können Wechselwirkungen mit Arzneimitteln haben. Wenn PMS-Beschwerden dein Wohlbefinden oder deinen Alltag erheblich beeinträchtigen, wende dich an eine entsprechend qualifizierte medizinische Fachperson.