Alles ist in Ordnung.
Und dann plötzlich gar nichts mehr.
Dein Posteingang fühlt sich wie ein persönlicher Angriff an. Jemand schreibt „Kein Problem“ und aus Gründen, die du selbst nicht ganz erklären kannst, gibt es auf einmal eine ganze Menge Probleme.
Oder vielleicht bist du überhaupt nicht gereizt. Stattdessen fühlst du dich ängstlich, ungewöhnlich empfindlich, niedergeschlagen oder könntest losheulen, weil vor einer Bäckerei ein alter Hund auf sein Herrchen wartet.
Dann kommt deine Periode.
Ach so.
Stimmungsschwankungen gehören zu den Beschwerden, die häufig mit dem prämenstruellen Syndrom (PMS) in Verbindung gebracht werden. Doch trotz Generationen von Witzen über „hormonelle Frauen“ ist der Zusammenhang zwischen Menstruationszyklus und Stimmung deutlich komplexer als Hormone machen Frauen emotional.
Was sagt die Forschung also tatsächlich über PMS und Stimmungsschwankungen? Warum sind manche Menschen stärker betroffen als andere? Und wann solltest du emotionale Beschwerden mit einer medizinischen Fachperson besprechen?
Was ist PMS?
Das prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, bezeichnet eine Gruppe körperlicher, psychischer und verhaltensbezogener Beschwerden, die im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auftreten.
Die Beschwerden entwickeln sich typischerweise während der Lutealphase, also in der Phase nach dem Eisprung und vor Beginn der nächsten Menstruation. Nach Einsetzen der Periode bessern sie sich normalerweise wieder.
Zu den körperlichen PMS-Beschwerden können Blähungen, Brustspannen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Veränderungen des Appetits gehören.
Zu den emotionalen und verhaltensbezogenen Beschwerden können gehören:
- Reizbarkeit
- Stimmungsschwankungen
- Ängstlichkeit oder innere Anspannung
- Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit
- erhöhte emotionale Empfindlichkeit
- Konzentrationsprobleme
- Veränderungen des Schlafs
- veränderter Appetit oder Heißhunger.
Nicht alle Menschen erleben PMS. Und wer PMS hat, erlebt es nicht zwangsläufig auf dieselbe Weise.
Bei einer Person stehen vielleicht körperliche Beschwerden im Vordergrund. Eine andere bemerkt vor allem ihre Reizbarkeit. Wieder jemand anderes fühlt sich ängstlicher oder ist schneller den Tränen nahe.
Dein Menstruationszyklus wurde leider nicht mit standardisierter Bedienungsanleitung ausgeliefert.
Warum kann sich deine Stimmung vor der Periode verändern?
Die naheliegende Antwort wäre:
Hormone.
Und ja, Hormone spielen eine Rolle. Aber ganz so einfach ist es nicht.
Während eines typischen Menstruationszyklus verändern sich die Konzentrationen verschiedener Hormone, darunter Östrogen und Progesteron, erheblich. Nach dem Eisprung steigt der Progesteronspiegel zunächst an. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, sinken Progesteron und Östrogen vor Beginn der Menstruation wieder ab.
Forschende gehen davon aus, dass prämenstruelle Beschwerden möglicherweise nicht einfach mit der Menge dieser Hormone im Körper zusammenhängen, sondern mit einer individuell unterschiedlichen Empfindlichkeit gegenüber den normalen hormonellen Schwankungen.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
PMS bedeutet nicht zwangsläufig, dass deine Hormonwerte „falsch“ sind und einfach nur irgendwie „ins Gleichgewicht“ gebracht werden müssen. Zwei Menschen können im Laufe ihres Zyklus ähnliche hormonelle Veränderungen erleben und emotional völlig unterschiedlich darauf reagieren.
Auch die Reaktion des Gehirns auf diese Veränderungen scheint eine Rolle zu spielen.
Was hat Serotonin mit PMS zu tun?
Vielleicht hast du Serotonin schon einmal als „Glückshormon“ bezeichnet gehört. Genau genommen ist Serotonin ein Neurotransmitter und kein Hormon. Und seine Funktion ist deutlich komplexer, als einfach Glück ein- und auszuschalten.
Serotonin ist unter anderem an Prozessen beteiligt, die Stimmung, Schlaf und Appetit beeinflussen. Forschende untersuchen, wie Veränderungen der Sexualhormone mit dem Serotoninsystem im Gehirn interagieren könnten. Dies gilt als eine mögliche Erklärung für prämenstruelle Stimmungssymptome.
Dieser Zusammenhang ist auch deshalb interessant, weil selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), eine Gruppe von Medikamenten, die unter anderem bei Depressionen und Angststörungen eingesetzt werden, auch bei ausgeprägten prämenstruellen Beschwerden zum Einsatz kommen können.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Person, die vor ihrer Periode gereizt ist, einen Serotoninmangel hat.
So schön übersichtlich machen es uns unsere Körper leider selten.
Der aktuelle Forschungsstand deutet vielmehr auf ein komplexes Zusammenspiel zwischen normalen hormonellen Schwankungen, Vorgängen im Gehirn, individueller Empfindlichkeit sowie weiteren biologischen und äußeren Faktoren hin.
Ist es normal, vor der Periode emotionaler zu sein?
Gewisse Veränderungen der Stimmung rund um die Menstruation sind häufig.
Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Menschen vor ihrer Periode deutliche Stimmungsschwankungen erleben.
Und menstruieren macht niemanden automatisch weniger rational, emotional instabiler oder weniger leistungsfähig.
Dieses Klischee hält sich schon deutlich länger, als es verdient hätte.
Dass prämenstruelle Stimmungssymptome tatsächlich existieren, ist schließlich kein Freifahrtschein dafür, die Gefühle einer Person mit einem:
„Hast du deine Tage oder was?“
abzutun.
Manchmal beeinflusst dein Zyklus vielleicht tatsächlich, wie du dich fühlst.
Manchmal ist jemand einfach nur nervig.
Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Wie fühlen sich PMS-bedingte Stimmungsschwankungen eigentlich an?
Der Begriff „Stimmungsschwankungen“ lässt PMS manchmal fast cartoonhaft wirken, als würdest du morgens weinen und nachmittags Teller durch die Küche werfen.
Die Realität kann wesentlich subtiler sein.
Vielleicht bemerkst du, dass du weniger Geduld hast als sonst. Eine kleine Unannehmlichkeit fühlt sich unverhältnismäßig irritierend an. Vielleicht reagierst du empfindlicher auf Kritik, machst dir plötzlich große Sorgen über Dinge, mit denen du normalerweise problemlos umgehen kannst, oder siehst alles ungewöhnlich pessimistisch.
Manche Menschen beschreiben das Gefühl, in der prämenstruellen Phase weniger belastbar zu sein. Dinge, die normalerweise an ihnen abprallen würden, bleiben plötzlich hängen.
Andere bemerken Veränderungen ihrer Motivation oder Konzentrationsfähigkeit oder haben weniger Lust auf soziale Kontakte.
Keine dieser Erfahrungen beweist für sich genommen, dass PMS die Ursache ist.
Der entscheidende Hinweis ist das wiederkehrende Muster und der Zeitpunkt.
Das Muster ist entscheidend
Ein schlechter Tag vor deiner Periode reicht nicht aus, um daraus PMS abzuleiten.
PMS zeichnet sich dadurch aus, dass die Beschwerden in einem wiederkehrenden, mit dem Menstruationszyklus verbundenen Muster auftreten. Bei Verdacht auf PMS wird deshalb häufig empfohlen, die Symptome über mindestens zwei Menstruationszyklen hinweg zu dokumentieren.
Das kann erstaunlich aufschlussreich sein.
Notiere zum Beispiel:
- den ersten Tag deiner Periode
- wann Stimmungsschwankungen beginnen
- wie sich diese Veränderungen anfühlen
- wie stark sie sind
- wann sie sich wieder bessern
- Schlaf und Energielevel
- körperliche Beschwerden
- ob die Symptome Arbeit, Beziehungen oder deinen Alltag beeinträchtigen.
Nach ein paar Monaten erkennst du vielleicht ein Muster.
Oder du stellst fest, dass dein Kollege dich tatsächlich jeden Donnerstag nervt, völlig unabhängig davon, wo du gerade in deinem Zyklus bist.
Nützliche Information so oder so.
PMS oder einfach Alltagsstress?
Hier können Gespräche über den Menstruationszyklus etwas kompliziert werden.
Stress, schlechter Schlaf, Arbeitsdruck, Beziehungsprobleme, Angststörungen, Depressionen und ungefähr 847 weitere Aspekte des Menschseins können unsere Stimmung beeinflussen.
Der Menstruationszyklus findet schließlich nicht in einem Labor statt. Er läuft weiter, während du arbeitest, Kinder betreust, studierst, dich mit dem Kundenservice herumärgerst, dir Sorgen ums Geld machst und versuchst, dich daran zu erinnern, ob du eigentlich Toilettenpapier gekauft hast.
Nicht jede emotionale Veränderung, die zufällig vor der Menstruation auftritt, wird deshalb zwangsläufig durch PMS verursacht.
Auch bestehende psychische Erkrankungen können sich in bestimmten Phasen des Menstruationszyklus verschlechtern. Dies wird teilweise als prämenstruelle Exazerbation bezeichnet.
Deshalb kann es hilfreich sein, Beschwerden während des gesamten Zyklus zu dokumentieren, statt nur in den Tagen vor der Periode darauf zu achten. So lässt sich besser erkennen, ob die Symptome überwiegend prämenstruell auftreten oder über den Monat hinweg bestehen.
PMS oder PMDS?
Bei manchen Menschen gehen prämenstruelle Stimmungssymptome weit über ein bisschen Gereiztheit oder erhöhte Emotionalität hinaus.
Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS), auf Englisch Premenstrual Dysphoric Disorder oder PMDD, ist eine anerkannte Erkrankung mit schweren zyklisch auftretenden Beschwerden. Besonders ausgeprägt können psychische und stimmungsbezogene Symptome sein, die den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Dazu können starke Reizbarkeit, Depressionen, Angst, ausgeprägte Stimmungsschwankungen und Hoffnungslosigkeit gehören.
PMS und PMDS hängen miteinander zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Die Unterschiede, diagnostische Begriffe und den typischen zeitlichen Verlauf erklären wir ausführlicher in unserem Guide zu PMS vs. PMDS: Was ist der Unterschied?
Wenn deine Stimmungsschwankungen vor der Periode stark ausgeprägt sind oder regelmäßig deine Fähigkeit beeinträchtigen, zu arbeiten, zu lernen, Beziehungen zu führen oder deinen Alltag zu bewältigen, solltest du nicht davon ausgehen, dass du sie einfach hinnehmen musst.
Wann solltest du mit einer medizinischen Fachperson sprechen?
Wenn prämenstruelle psychische Beschwerden deinen Alltag erheblich beeinträchtigen, ist es sinnvoll, medizinischen Rat einzuholen.
Sprich insbesondere mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson, wenn deine prämenstruellen Stimmungssymptome:
- deinen Alltag erheblich beeinträchtigen
- Auswirkungen auf Arbeit, Ausbildung oder Beziehungen haben
- zunehmend schwerer zu bewältigen sind
- mit starken Angstgefühlen oder depressiven Beschwerden verbunden sind
- vorhersehbar während eines erheblichen Teils jedes Monats auftreten
- dazu führen, dass du dich in einem für dich beunruhigenden Ausmaß nicht wie du selbst fühlst.
Du musst nicht erst beweisen, dass deine Beschwerden „schlimm genug“ sind, bevor du sie ansprichst.
Ein Symptomtagebuch kann bei einem Arzttermin besonders hilfreich sein, weil es sowohl dir als auch der medizinischen Fachperson einen besseren Überblick darüber gibt, was während deines Menstruationszyklus passiert.
Wenn du Suizidgedanken hast, befürchtest, dir etwas anzutun, oder dich nicht sicher fühlst, hole dir dringend professionelle Hilfe und warte nicht darauf, dass deine Periode einsetzt und die Beschwerden möglicherweise verschwinden.
Was kannst du gegen PMS-bedingte Stimmungsschwankungen tun?
Es gibt nicht den einen universellen PMS-Plan, denn Beschwerden, Schweregrad und persönliche Umstände unterscheiden sich.
Bei ausgeprägtem PMS können beispielsweise psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie, bestimmte hormonelle Behandlungen oder SSRI infrage kommen.
Bei leichteren Beschwerden empfinden manche Menschen Faktoren wie ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, Stressmanagement und eine passende Alltagsroutine als hilfreich.
Und dann gibt es noch die kleinen Rituale, die sich nicht als medizinische Behandlung ausgeben müssen, um ihre Berechtigung zu haben.
Laptop zuklappen.
Handy auf lautlos stellen.
Ein Bad nehmen.
Spazieren gehen.
Eine vollkommen freiwillige soziale Verpflichtung absagen, ohne dafür eine 400 Wörter lange Entschuldigung zu verfassen.
Oder Tee machen.
Manchmal brauchst du einfach den Wasserkocher
Das Ritual, eine Tasse Tee zuzubereiten, hat etwas angenehm Unkompliziertes.
Wasser kochen. Tasse aussuchen. Tee ziehen lassen. Sich fünf verdammte Minuten hinsetzen.
Tee ist keine Behandlung für PMS. Und wir werden dir ganz sicher nicht erzählen, dass ein Kräuteraufguss auf magische Weise deine „Hormone ausgleicht“, deinen Serotoninhaushalt reguliert oder prämenstruelle Stimmungsschwankungen verschwinden lässt.
Aber etwas darf guttun, ohne deshalb gleich ein medizinisches Heilversprechen zu sein.
Genau das ist der Gedanke hinter unserem Stay Calm and Drink On Kräutertee. Eine Mischung für diese Momente, in denen sich einfach alles ein bisschen nach zu viel anfühlt und eine Tasse Tee eine ziemlich gute Ausrede ist, für einen Moment Pause zu machen.
Keine Versprechen von hormonischer Harmonie.
Keine Behauptung, dass Gebärmutter und Gehirn plötzlich einen Friedensvertrag unterzeichnen.
Einfach Kräuter, heißes Wasser und ein verdammt guter Grund, den Rest der Welt für ein paar Minuten stummzuschalten.
Quellen & weiterführende Informationen
Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG): Managing premenstrual syndrome (PMS)
Patienteninformationen zu PMS-Symptomen, dem zyklischen Auftreten, möglichen Mechanismen, Diagnose und Behandlung. RCOG: Managing premenstrual syndrome (PMS)
Weltgesundheitsorganisation (WHO): Menstrual Health
Informationen zur Menstruationsgesundheit, darunter mögliche Stimmungsschwankungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus und Beschwerden, die medizinisch abgeklärt werden sollten. WHO: Menstrual health
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist nicht zur Diagnose oder Behandlung gedacht und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Wenn Stimmungsschwankungen oder andere prämenstruelle Beschwerden dein Wohlbefinden oder deinen Alltag erheblich beeinträchtigen, wende dich an eine entsprechend qualifizierte medizinische Fachperson.