Gereizt? Aufgebläht? Den Tränen nahe, weil jemand den Snack gegessen hat, an den du seit dem Mittagessen gedacht hast?
„Bestimmt PMS.“
Der Begriff wird so beiläufig verwendet, dass PMS inzwischen fast als Sammelbegriff für jedes Gefühl herhalten muss, das kurz vor der Periode auftaucht. Doch das prämenstruelle Syndrom ist komplexer als ein bisschen schlechte Laune. Und PMDS ist nicht einfach ein anderer Name für besonders nerviges PMS.
PMS und die prämenstruelle dysphorische Störung, kurz PMDS (englisch PMDD, Premenstrual Dysphoric Disorder), sind miteinander verwandte prämenstruelle Beschwerdebilder. Es gibt jedoch wichtige Unterschiede, insbesondere bei der Stärke der Symptome und ihren Auswirkungen auf den Alltag.
Und genau dieser Unterschied ist wichtig. Wenn sich die Tage vor deiner Periode regelmäßig weniger nach einer lästigen Begleiterscheinung und mehr danach anfühlen, als hätte vorübergehend jemand dein Gehirn, deine Beziehungen und deine Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen, übernommen, verdient das Aufmerksamkeit.
Was genau ist also der Unterschied zwischen PMS und PMDS?
Was ist PMS?
PMS steht für prämenstruelles Syndrom. Damit wird eine Kombination körperlicher, psychischer und verhaltensbezogener Beschwerden bezeichnet, die mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen.
Die Beschwerden treten typischerweise in der Zeit vor der Menstruation auf und bessern sich, wenn die Periode beginnt oder kurz danach.
Welche Symptome auftreten, unterscheidet sich von Person zu Person. Dazu können gehören:
- Stimmungsschwankungen
- Reizbarkeit
- Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit oder erhöhte Emotionalität
- Müdigkeit
- Schlafprobleme
- Kopfschmerzen
- Heißhunger oder Veränderungen des Appetits
- Blähungen oder Wassereinlagerungen
- empfindliche oder spannende Brüste
- Hautveränderungen.
Du musst ganz sicher nicht jeden Punkt auf dieser Liste abhaken, um PMS zu haben.
Entscheidend ist vielmehr das zyklische Muster: Die Beschwerden treten in der prämenstruellen Phase des Zyklus auf, bessern sich mit oder nach Beginn der Menstruation und kehren in späteren Zyklen in einem ähnlichen Muster zurück.
PMS bedeutet also nicht einfach:
„Am Dienstag war ich genervt und am Freitag kam meine Periode.“
Der Zeitpunkt und das wiederkehrende Muster sind wichtig.
Wann im Menstruationszyklus tritt PMS auf?
Um PMS und PMDS besser zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf den Menstruationszyklus.
Nach dem Eisprung beginnt die Lutealphase. Sie dauert bis zum Beginn der nächsten Periode. In dieser Zeit verändern sich unter anderem die Konzentrationen der Hormone Östrogen und Progesteron.
PMS- und PMDS-Symptome treten typischerweise in dieser prämenstruellen Phase auf und bessern sich kurz nach Beginn der Menstruation.
Interessanterweise scheint PMS nicht so simpel zu sein wie „zu viel“ oder „zu wenig“ von einem bestimmten Hormon. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Eine Theorie geht davon aus, dass manche Menschen besonders empfindlich auf die normalen hormonellen Veränderungen während des Menstruationszyklus reagieren. Dabei könnten auch Wechselwirkungen mit Neurotransmittern wie Serotonin eine Rolle spielen.
Wenn dir also jemand sagt, du müsstest einfach nur deine „Hormone ins Gleichgewicht bringen“, darfst du durchaus fragen, was genau damit eigentlich gemeint sein soll.
Idealerweise mit unangenehm langem Blickkontakt.
Was ist PMDS?
PMDS steht für prämenstruelle dysphorische Störung. International und in englischsprachigen Quellen wird meist die Abkürzung PMDD verwendet.
PMDS ist eine schwere prämenstruelle Störung, bei der insbesondere ausgeprägte psychische und emotionale Symptome auftreten können. Körperliche Beschwerden sind ebenfalls möglich.
Zu den möglichen Symptomen gehören:
- starke Reizbarkeit oder Wut
- ausgeprägte Stimmungsschwankungen
- depressive Stimmung oder Hoffnungslosigkeit
- starke Angst oder Anspannung
- das Gefühl, überfordert zu sein oder die Kontrolle zu verlieren
- Konzentrationsprobleme
- Verlust des Interesses an gewohnten Aktivitäten oder sozialen Kontakten
- wenig Energie
- Veränderungen des Appetits
- Schlafprobleme
- körperliche Beschwerden wie Blähungen, Brustspannen, Kopfschmerzen sowie Gelenk- oder Muskelschmerzen.
PMDS ist in internationalen medizinischen Diagnoseklassifikationen als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. In der ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die prämenstruelle dysphorische Störung entsprechend aufgeführt.
Das ist erwähnenswert, weil PMDS noch immer als „wirklich schlimmes PMS“ abgetan wird oder, noch schlechter, als übertriebene Emotionalität.
PMDS ist ein anerkanntes Krankheitsbild.
PMS vs. PMDS: Was ist der wichtigste Unterschied?
PMS und PMDS haben viele mögliche Symptome gemeinsam. Der Unterschied besteht nicht einfach darin, ob du Blähungen statt Angstgefühlen oder Kopfschmerzen statt Reizbarkeit hast.
Entscheidend sind vor allem die Schwere der Beschwerden und ihre Auswirkungen auf deinen Alltag.
Auch PMS kann unangenehm sein und den Alltag beeinträchtigen. Bei manchen Menschen sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass normale Aktivitäten erheblich erschwert werden.
PMDS liegt am schwereren Ende des Spektrums und ist insbesondere mit ausgeprägten emotionalen und psychischen Beschwerden verbunden. Diese können Alltag, Arbeit, Ausbildung, Beziehungen und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Also weniger:
„Vor meiner Periode bin ich ungewöhnlich gereizt.“
Und möglicherweise eher:
„Mehrere Tage im Monat kann ich kaum funktionieren oder fühle mich wie eine völlig andere Version meiner selbst.“
Das ist natürlich kein diagnostischer Test. Es zeigt aber, warum die Auswirkungen der Beschwerden auf dein Leben genauso wichtig sein können wie die einzelnen Symptome selbst.
Ist PMDS einfach starkes PMS?
PMDS wird manchmal als besonders schwere Form von PMS beschrieben. Auch seriöse medizinische Quellen verwenden diese vereinfachte Erklärung, weil sie das Verhältnis zwischen beiden Begriffen verständlich macht.
Die Begriffe sollten trotzdem nicht synonym verwendet werden.
Für PMDS gelten spezifische diagnostische Kriterien, und psychische Symptome spielen eine besonders wichtige Rolle. Eine Person kann erhebliche prämenstruelle Beschwerden haben, ohne die diagnostischen Kriterien für PMDS zu erfüllen. Gleichzeitig können Menschen mit PMDS neben schweren zyklischen Stimmungssymptomen auch körperliche Beschwerden erleben.
Kurz gesagt:
PMS ≠ PMDS.
Die beiden hängen miteinander zusammen, sind aber nicht einfach zwei Bezeichnungen für dieselbe Erfahrung.
Wie häufig sind PMS und PMDS?
Prämenstruelle Beschwerden sind ausgesprochen häufig. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Person mit Beschwerden automatisch ein klinisch relevantes PMS hat.
Nur bei einem kleineren Teil sind die Beschwerden so stark, dass sie den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Auch Angaben zur Häufigkeit von PMDS unterscheiden sich je nach untersuchter Bevölkerungsgruppe und den verwendeten diagnostischen Kriterien.
Die genauen Zahlen sind wichtig. Aber noch etwas anderes ist wichtig:
Selbst wenn eine Erkrankung nur einen kleineren Teil der Menschen betrifft, die menstruieren, bedeutet das angesichts von Millionen Betroffenen nicht, dass sie unbedeutend ist.
Und eingebildet ist sie ganz sicher nicht.
Wie werden PMS und PMDS diagnostiziert?
Es gibt keinen einzelnen Bluttest, bei dem plötzlich auf dem Laborbericht erscheint:
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, ES IST PMS.
Bei der Diagnose spielen vor allem Muster, Zeitpunkt und Schweregrad der Beschwerden eine wichtige Rolle.
Häufig wird empfohlen, die Beschwerden über mindestens zwei aufeinanderfolgende Menstruationszyklen zu dokumentieren. Ein Symptomtagebuch kann dabei helfen zu erkennen, ob die Beschwerden regelmäßig in der prämenstruellen Phase auftreten und sich nach Beginn der Menstruation wieder bessern.
Du könntest beispielsweise notieren:
- welche Beschwerden auftreten
- wann sie beginnen
- wie stark sie sind
- wann sie sich bessern
- wann deine Periode beginnt
- ob die Beschwerden Arbeit, Beziehungen, Schlaf oder alltägliche Aktivitäten beeinträchtigen.
Diese Aufzeichnungen können medizinischen Fachpersonen außerdem helfen, eine prämenstruelle Störung von anderen körperlichen oder psychischen Erkrankungen zu unterscheiden, deren Beschwerden zufällig oder verstärkt zur gleichen Zeit auftreten.
PMS, PMDS oder doch etwas anderes?
Diese Frage ist wichtig, denn Angst, Depressionen, Schlafprobleme, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten treten nicht ausschließlich bei PMS oder PMDS auf.
Bestehende psychische Erkrankungen können sich außerdem während der prämenstruellen Phase verschlechtern. Das wird teilweise als prämenstruelle Exazerbation bezeichnet und ist nicht zwangsläufig dasselbe wie PMDS.
Deshalb ist das zyklische Muster so wichtig.
Wenn deutliche Beschwerden den gesamten Monat über vorhanden sind, sich aber vor der Periode verschlimmern, kann das auf etwas anderes hindeuten als Symptome, die überwiegend in der prämenstruellen Phase auftreten und anschließend wieder verschwinden.
Genau deshalb ist es nicht unbedingt die beste Idee, PMDS anhand einer Social-Media-Checkliste selbst zu diagnostizieren.
Wiedererkennungswert?
Absolut.
Diagnostisches Instrument?
Eher nicht.
Eine medizinische Fachperson kann das gesamte Muster beurteilen und prüfen, ob möglicherweise eine andere Erkrankung zu den Beschwerden beiträgt.
Wann solltest du dir bei prämenstruellen Beschwerden Hilfe holen?
Wenn deine Beschwerden leicht und gut zu bewältigen sind, hast du möglicherweise keinen Bedarf an medizinischer Unterstützung.
Wenn prämenstruelle Beschwerden jedoch regelmäßig deine Lebensqualität, Arbeit, Ausbildung, Beziehungen oder deine Fähigkeit beeinträchtigen, deinen Alltag zu bewältigen, solltest du darüber nachdenken, mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen qualifizierten medizinischen Fachperson darüber zu sprechen.
Das kann beispielsweise bedeuten, dass du jeden Monat das Gefühl hast, mehrere Tage an deine Beschwerden zu verlieren, regelmäßig Pläne absagen musst, kaum arbeiten oder lernen kannst, erhebliche Schwierigkeiten in deinen Beziehungen erlebst oder dich während der prämenstruellen Phase völlig überfordert fühlst.
Du musst nicht warten, bis die Situation unerträglich wird, bevor du sie ansprichst.
Was ist mit schweren Depressionen oder Suizidgedanken?
An dieser Stelle lassen wir die Witze kurz beiseite.
PMDS kann mit schweren depressiven Symptomen, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken einhergehen.
Wenn du Suizidgedanken hast, befürchtest, dir etwas anzutun, oder dich nicht sicher fühlst, hole dir dringend professionelle Hilfe. Warte nicht darauf, ob die Beschwerden mit Beginn deiner Periode wieder verschwinden.
Wenn du außerdem bemerkst, dass solche Gedanken zuverlässig in einer bestimmten Phase deines Menstruationszyklus auftreten, solltest du das der medizinischen Fachperson mitteilen, die dich betreut. Dieses Muster kann für die Beurteilung relevant sein.
Schwere, zyklisch auftretende psychische Beschwerden sind nichts, durch das du dich jeden Monat irgendwie durchkämpfen musst.
Können PMS und PMDS behandelt werden?
Ja. Für ausgeprägte prämenstruelle Beschwerden gibt es verschiedene Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten.
Welche infrage kommen, hängt unter anderem von der Diagnose, den konkreten Beschwerden, der Krankengeschichte und den individuellen Umständen ab.
Mögliche Ansätze können psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), bestimmte Antidepressiva und hormonelle Behandlungsmöglichkeiten umfassen.
Auch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) werden zur Behandlung ausgeprägter prämenstrueller Beschwerden eingesetzt.
Welche Behandlung individuell sinnvoll ist, sollte mit einer entsprechend qualifizierten medizinischen Fachperson besprochen werden, statt Diagnose und Therapie anhand einer Symptomliste aus dem Internet selbst zu übernehmen.
Was ist mit Nahrungsergänzungsmitteln, Kräutern und Veränderungen des Lebensstils?
Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und andere Lebensstilfaktoren werden häufig im Zusammenhang mit PMS diskutiert. Manche Menschen verwenden außerdem Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Produkte.
Einige dieser Ansätze wurden wissenschaftlich untersucht, die Evidenz unterscheidet sich jedoch erheblich.
Auch pflanzliche Produkte und Nahrungsergänzungsmittel können mit Arzneimitteln wechselwirken. Deshalb ist es sinnvoll, deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke mitzuteilen, welche Produkte du einnimmst.
Das bedeutet nicht, dass Dinge, mit denen du dich besser fühlst, bedeutungslos sind.
Ein Spaziergang, Yoga, früher ins Bett gehen, dein Lieblingstee oder die konsequente Weigerung, in dieser Woche eine Hose ohne Gummibund anzuziehen, können durchaus wertvolle Bestandteile deiner prämenstruellen Routine sein.
Persönliches Wohlbefinden und medizinische Behandlung sind nur nicht dasselbe.
Und ja, Frauengesundheit braucht weiterhin mehr Forschung
Hinter Gesprächen über PMS und PMDS steckt noch ein größeres Problem: Menstruationsgesundheit ist nach wie vor in vielen Bereichen unzureichend erforscht.
Forschungslücken können sich darauf auswirken, wie gut wir verstehen, warum Beschwerden entstehen, wie schnell Erkrankungen erkannt werden und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Ein Mangel an Forschung beweist nicht, dass eine Erfahrung nicht real ist.
Genauso wenig beweist begrenzte Evidenz für ein bestimmtes Mittel, dass dieses Mittel funktioniert.
Beide Aussagen können gleichzeitig wahr sein.
Wir können bessere Wissenschaft fordern und die Erfahrungen der Betroffenen ernst nehmen.
Revolutionäres Konzept, offenbar.
Fazit: PMS und PMDS sind nicht dasselbe
PMS und PMDS sind beide mit Beschwerden verbunden, die im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auftreten, insbesondere in der prämenstruellen Phase.
PMDS ist jedoch eine anerkannte Erkrankung mit schweren zyklisch auftretenden Beschwerden, insbesondere im Bereich der Stimmung und psychischen Gesundheit, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können.
Wenn du dich fragst, ob hinter deinen Beschwerden mehr als die üblichen prämenstruellen Veränderungen stecken könnte, kann ein Symptomtagebuch ein sinnvoller erster Schritt sein.
Notiere über mehrere Menstruationszyklen hinweg, wann die Beschwerden auftreten, wann sie wieder verschwinden und was sie dich im Alltag nicht tun lassen.
Nimm diese Informationen anschließend mit zu einer medizinischen Fachperson.
Denn wenn du jeden Monat mehrere Tage deines Lebens an schwere körperliche oder psychische Beschwerden verlierst, sollte das nicht automatisch abgeheftet werden unter:
Na ja. Periode halt.
Quellen & weiterführende Informationen
Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG): Managing premenstrual syndrome (PMS)
Patienteninformationen zu Beschwerden, zeitlichem Verlauf, Diagnose und Behandlung von PMS sowie zur Dokumentation der Beschwerden über mehrere Menstruationszyklen. RCOG: Managing premenstrual syndrome (PMS)
U.S. Office on Women's Health: Premenstrual Dysphoric Disorder (PMDD)
Informationen zu Symptomen, Verlauf, Häufigkeit und Behandlung von PMDD. Office on Women's Health: PMDD
Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-11
Die prämenstruelle dysphorische Störung ist in der internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD-11 als anerkanntes Krankheitsbild enthalten. WHO: ICD-11 Clinical Descriptions and Diagnostic Requirements
Weltgesundheitsorganisation (WHO): Menstrual Health
Informationen zur Menstruationsgesundheit, zu erheblichen menstruationsbedingten Beschwerden und zu bestehenden Forschungslücken. WHO: Menstrual health
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er ist nicht zur Diagnose oder Behandlung gedacht und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Wenn prämenstruelle Beschwerden deine körperliche oder psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen, wende dich an eine entsprechend qualifizierte medizinische Fachperson.