Eine Schwangerschaft hat ein besonderes Talent dafür, dass plötzlich die Zutatenliste von wirklich allem deutlich interessanter aussieht.
Käse? Etikett prüfen. Nahrungsergänzungsmittel? Etikett prüfen. Hautpflege? Etikett prüfen. Und dieser völlig harmlos aussehende Kräutertee, den du seit drei Jahren trinkst?
Moment mal. Was ist da eigentlich drin?
Eine durchaus sinnvolle Frage.
Kräutertee in der Schwangerschaft kann verwirrend sein, denn „Kräutertee“ ist keine einzelne Zutat. Ein Pfefferminzaufguss und eine Mischung aus zehn verschiedenen Pflanzen sind zwei vollkommen unterschiedliche Produkte, auch wenn auf beiden Kräutertee steht.
Und dann wäre da noch diese erstaunlich hartnäckige Annahme:
Natürlich = sicher.
Leider hat die Natur diesen AGB nie zugestimmt.
Kannst du in der Schwangerschaft also Kräutertee trinken? Bei welchen Zutaten lohnt sich ein genauerer Blick? Und was tun, wenn es zu einer bestimmten Pflanze schlicht keine verlässlichen Daten für die Schwangerschaft gibt?
Schauen wir uns an, was wir tatsächlich wissen.
Darf man Kräutertee in der Schwangerschaft trinken?
Die etwas frustrierende Antwort lautet:
Es kommt auf den Tee an.
Kräutertees werden aus Blättern, Wurzeln, Blüten, Samen, Früchten oder anderen Pflanzenteilen hergestellt. Verschiedene Pflanzen enthalten unterschiedliche natürlich vorkommende Stoffe und können deshalb auch unterschiedliche Eigenschaften und Sicherheitsprofile haben.
Für viele Kräuter gibt es außerdem nur begrenzte Daten zur Anwendung während der Schwangerschaft. Eine lange Verwendungsgeschichte allein ist kein Beweis dafür, dass eine bestimmte Pflanze in jeder Menge und Zubereitungsform während der Schwangerschaft sicher ist.
Manchmal gibt es klare Empfehlungen zu einer Pflanze.
Manchmal einige kleinere Untersuchungen.
Manchmal eine lange traditionelle Anwendung, aber kaum schwangerschaftsspezifische Forschung.
Und manchmal lautet die wissenschaftlich korrekte Antwort schlicht:
Wir wissen noch nicht genug.
Nicht besonders befriedigend, wenn du eigentlich nur wissen wolltest, ob du dir eine Tasse Tee machen kannst.
Kräutertee ist nicht dasselbe wie normaler Tee
Zuerst eine kleine Teekunde.
Klassischer schwarzer, grüner, weißer und Oolong-Tee stammt von der Teepflanze Camellia sinensis. Diese Tees enthalten von Natur aus Koffein.
Kräutertees oder, streng genommen, Kräuteraufgüsse werden normalerweise aus anderen Pflanzen hergestellt und sind häufig koffeinfrei.
Häufig.
Nicht automatisch.
Teemischungen können beispielsweise klassische Teeblätter mit Kräutern, Früchten oder anderen Zutaten kombinieren. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich also weiterhin.
Für Schwangere gilt in Deutschland als Richtwert eine Koffeinzufuhr von höchstens 200 mg pro Tag aus allen Quellen. Dazu zählen neben Kaffee unter anderem schwarzer, grüner und weißer Tee, Cola, Kakao und Schokolade.
Einen Teil von Kaffee oder koffeinhaltigem Tee durch einen koffeinfreien Kräuteraufguss zu ersetzen, kann daher eine Möglichkeit sein, weniger Koffein aufzunehmen.
Vorausgesetzt natürlich, die verwendeten Kräuter sind während der Schwangerschaft geeignet.
Irgendeine Zutatenliste gibt es offenbar immer.
Warum kommt es auf das einzelne Kraut an?
Weil Pflanzen chemisch ziemlich komplex sind.
Ein Kräutertee enthält vielleicht Pfefferminzblätter.
Ein anderer Ingwerwurzel.
Und der nächste Himbeerblätter, Süßholzwurzel, Salbei, Kamille und sechs weitere Pflanzen, deren Namen du zuletzt gesehen hast, als dich 2014 jemand in einen Reformladen geschleppt hat.
Diese Zutaten sind nicht austauschbar.
Manche Kräuter haben eine lange Geschichte als Lebensmittel. Andere wurden traditionell medizinisch verwendet. Einige enthalten pharmakologisch aktive Stoffe. Und bei vielen Pflanzen fehlen ausreichende Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft.
Auch bei der europäischen Bewertung pflanzlicher Arzneimittel werden Pflanzen und Zubereitungen einzeln beurteilt, da unter anderem Zubereitung, Dosierung und Anwendungsgebiet relevant sind.
Deshalb kann eine Studie zu einem konzentrierten Pflanzenextrakt oder Arzneimittel nicht automatisch beantworten, was bei einer normalen Tasse Kräutertee passiert.
Pflanze ≠ Extrakt ≠ Nahrungsergänzungsmittel ≠ Tee.
Falls du unsere anderen Kräuterartikel gelesen hast: Ja, wir werden diesen Satz so lange wiederholen, bis das Internet aufhört, so zu tun, als wäre alles dasselbe.
Pfefferminztee in der Schwangerschaft
Pfefferminze (Mentha × piperita) gehört wahrscheinlich zu den Kräutertees, denen du während der Schwangerschaft besonders häufig begegnest, nicht zuletzt weil sie traditionell mit Verdauung in Verbindung gebracht wird.
Die Datenlage für die Schwangerschaft ist allerdings nicht perfekt.
In der europäischen Monografie zu Pfefferminzblättern weist die Europäische Arzneimittel-Agentur darauf hin, dass die Sicherheit der dort behandelten medizinischen Zubereitungen während Schwangerschaft und Stillzeit nicht ausreichend belegt ist. Bei fehlenden ausreichenden Daten wird ihre medizinische Anwendung deshalb nicht empfohlen.
Die Formulierung ist wichtig.
Sie bedeutet nicht automatisch:
„Pfefferminze ist nachweislich gefährlich in der Schwangerschaft.“
Sie bedeutet:
Für diese medizinischen Anwendungen und Zubereitungen gibt es nicht genügend Daten, um ihre Sicherheit zuverlässig festzustellen.
Das sind unterschiedliche Aussagen.
Unser Fazit: Häufige Verwendung ist nicht dasselbe wie nachgewiesene Sicherheit in der Schwangerschaft. Wenn du regelmäßig größere Mengen Pfefferminztee trinkst oder Pfefferminze gezielt aus medizinischen Gründen verwendest, besprich das im Zweifel mit deiner Hebamme, Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.
Ingwertee in der Schwangerschaft
Ingwer (Zingiber officinale) ist besonders interessant, weil er tatsächlich im Zusammenhang mit Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft untersucht wurde.
Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité, besser bekannt als Embryotox, berichtet über einen hohen Erfahrungsumfang zu Ingwer in der Schwangerschaft. Mehrere klinische Studien ergaben dort keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Embryotox bewertet Ingwer in üblicher Dosierung während der Schwangerschaft als anwendbar.
Bei Schwangerschaftsübelkeit deutet die vorhandene Forschung außerdem darauf hin, dass Ingwer die Übelkeit reduzieren kann, wobei die Ergebnisse zu verschiedenen Behandlungsansätzen insgesamt nicht immer einheitlich sind.
Aber auch hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Zubereitung.
Studien können Ingwerpulver, Kapseln oder genau definierte Dosierungen untersuchen. Das ist nicht automatisch dasselbe wie der Ingwertee in deinem Küchenschrank.
Unser Fazit: Ingwer ist während der Schwangerschaft deutlich besser untersucht als viele andere Pflanzen. Forschung zu bestimmten Zubereitungen sollte trotzdem nicht einfach auf jedes Ingwerprodukt übertragen werden.
Kamillentee in der Schwangerschaft
Kamille hat einen beinahe aggressiv harmlosen Ruf.
Zarte Blüten. Tee vor dem Schlafengehen. Vermutlich irgendwo noch ein Häschen mit Weste.
Kann also nichts sein?
Ganz so einfach ist es leider nicht.
Für Kamille gibt es keine so umfassende schwangerschaftsspezifische Datenlage, dass man pauschal behaupten könnte, jede Menge und jede Zubereitungsform sei während der Schwangerschaft problemlos.
Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem pflanzlicher Produkte: Eine lange traditionelle Verwendung geht nicht zwangsläufig mit umfangreicher kontrollierter Forschung während der Schwangerschaft einher.
Schwangere gehören aus verständlichen ethischen Gründen schließlich nicht zu den einfachsten Gruppen für klinische Studien, insbesondere dann nicht, wenn es keinen medizinischen Grund für eine Exposition gibt.
Unser Fazit: Der sanfte Ruf der Kamille ist nicht dasselbe wie umfassende Sicherheitsdaten für die Schwangerschaft. Wenn Kamillentee regelmäßig oder in größeren Mengen zu deiner Routine gehört, kannst du die Verwendung im Zweifel mit einer medizinischen Fachperson besprechen.
Himbeerblättertee in der Schwangerschaft
Und damit wären wir bei einem der berühmtesten Kräutertees der Schwangerschaft.
Himbeerblättertee wird online besonders in der späteren Schwangerschaft häufig empfohlen. Oft heißt es, er würde die Gebärmutter „kräftigen“, den Körper auf die Geburt vorbereiten oder die Geburt erleichtern.
Das sind ziemlich große Versprechen.
Die Evidenz ist deutlich weniger spektakulär.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat Himbeerblätter (Rubus idaeus) hinsichtlich bestimmter traditioneller medizinischer Anwendungen bewertet. Die entsprechende Bewertung stützt sich jedoch auf traditionelle Anwendung und nicht auf überzeugende klinische Wirksamkeitsnachweise für Schwangerschaft oder Geburt.
Auch eine systematische Übersichtsarbeit zur Anwendung von Himbeerblättern in der Schwangerschaft kam zu dem Schluss, dass die Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit begrenzt sind.
Aus einer langen Verwendungsgeschichte darf deshalb nicht werden:
„Himbeerblättertee ist klinisch nachgewiesen zur Geburtsvorbereitung.“
Das ist nicht belegt.
Unser Fazit: Himbeerblätter werden häufig mit später Schwangerschaft und Geburt in Verbindung gebracht. Für viele der dazu verbreiteten Versprechen fehlt jedoch belastbare Evidenz. Wenn du Himbeerblätter während der Schwangerschaft gezielt verwenden möchtest, besprich dies mit deiner Hebamme oder ärztlichen Betreuung.
Bei Süßholzwurzel lohnt sich ein besonders genauer Blick
Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra) ist eine Zutat, bei der es sich lohnt, die Rückseite von Kräuterteepackungen genauer zu studieren.
Aus Süßholz wird unter anderem Lakritz hergestellt. Ein wichtiger Inhaltsstoff ist Glycyrrhizin.
Deutsche Ernährungsempfehlungen für Schwangere raten bei Lakritz zur Vorsicht, da größere Mengen dem ungeborenen Kind schaden können.
Auch wissenschaftliche Beobachtungsstudien haben einen hohen Konsum von Glycyrrhizin während der Schwangerschaft mit bestimmten späteren Entwicklungsunterschieden bei Kindern in Verbindung gebracht. Solche Beobachtungsstudien können zwar nicht dieselbe Kausalität belegen wie randomisierte kontrollierte Studien, sind aber ein Grund, die Zutat nicht völlig unkritisch zu betrachten.
Unser Fazit: Achte bei Kräuterteemischungen auf Süßholzwurzel beziehungsweise Glycyrrhiza glabra. Bei regelmäßigem Konsum während der Schwangerschaft ist eine Rücksprache mit einer medizinischen Fachperson sinnvoll.
Und was ist mit Salbei?
Bei Salbei (Salvia officinalis) zeigt sich besonders gut, warum Form und Menge wichtig sind.
Etwas Salbei als Küchengewürz ist nicht dasselbe wie regelmäßig getrunkene konzentrierte Salbeizubereitungen oder die Verwendung von ätherischem Salbeiöl.
Ätherische Öle sollte man ohnehin nicht so behandeln, als wären sie einfach Kräutertee in besonders stark.
Sie sind hochkonzentrierte Zubereitungen mit eigenen Sicherheitsaspekten.
Auch die europäische Bewertung von Salbeiblättern weist darauf hin, dass für die dort behandelten medizinischen Anwendungen keine ausreichenden Sicherheitsdaten für Schwangerschaft und Stillzeit vorliegen.
Unser Fazit: Nur weil du eine Pflanze aus deinem Gewürzregal kennst, sind konzentrierte oder medizinische Zubereitungen daraus nicht automatisch für die Schwangerschaft geeignet.
Was ist mit Kräutertees mit vielen Zutaten?
Hier wird Kräutertee besonders unterhaltsam.
Vorderseite der Packung:
MAMA ZEN GLOW TEA
Rückseite:
Elf Pflanzen, von denen du zwei noch nie gehört hast, plus „natürliches Aroma“.
Je mehr Zutaten ein Tee enthält, desto mehr Zutaten musst du im Zweifel einzeln beurteilen.
Eine Mischung kann größtenteils aus vertrauten Lebensmittelzutaten bestehen und trotzdem eine einzelne Pflanze enthalten, zu der nur sehr wenige Schwangerschaftsdaten vorliegen oder die in medizinischen Mengen nicht empfohlen wird.
Und Bezeichnungen wie:
- Schwangerschaftstee
- Frauentee
- Wellness-Tee
- Hormonteee
- Detox-Tee
- Entspannungstee
sind zunächst einmal Marketingbegriffe.
Sie sagen dir nicht, ob jede einzelne Zutat während deiner Schwangerschaft passend ist.
Dreh die Packung um.
Der langweilige Teil auf der Rückseite ist plötzlich der interessanteste.
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch „sicher in der Schwangerschaft“
Das sollten wir ganz deutlich sagen:
Natürlich beschreibt die Herkunft. Es ist keine Sicherheitskategorie.
Viele natürliche Stoffe haben physiologische Wirkungen. Genau deshalb wurden Pflanzen schließlich über Jahrtausende medizinisch genutzt.
Aber etwas, das eine Wirkung haben kann, kann auch Situationen mit sich bringen, in denen diese Wirkung unerwünscht ist.
Die Dosis ist wichtig.
Die Zubereitung ist wichtig.
Die Häufigkeit der Anwendung ist wichtig.
Medikamente und Vorerkrankungen sind wichtig.
Und eine Schwangerschaft ist ziemlich wichtig.
Die Frage sollte also nicht lauten:
„Ist es natürlich?“
Sondern:
„Wissen wir genug darüber, ob diese konkrete Zutat in dieser Zubereitung und Menge während der Schwangerschaft geeignet ist?“
Weniger sexy.
Deutlich bessere Frage.
Was ist mit Kräutertee gegen Schwangerschaftsbeschwerden?
Eine Schwangerschaft bringt genügend Beschwerden mit sich, um die Vorstellung eines simplen pflanzlichen Mittels ziemlich attraktiv zu machen.
Übelkeit. Sodbrennen. Schlafprobleme. Verstopfung. Ängstlichkeit. Blähungen.
Und ja, einige pflanzliche Präparate wurden tatsächlich im Zusammenhang mit bestimmten Schwangerschaftsbeschwerden untersucht. Ingwer ist ein gutes Beispiel dafür.
Aber es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen:
„Diese Zutat wurde bei Übelkeit während der Schwangerschaft untersucht.“
und:
„Dieser Tee ist für jede Schwangere sicher und behandelt Schwangerschaftsübelkeit.“
Wenn Schwangerschaftsbeschwerden anhalten, stark ausgeprägt sind oder dir Sorgen machen, sprich mit deiner Hebamme, Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke, statt dich ausschließlich auf Kräutertee zu verlassen.
Das gilt besonders, wenn du aufgrund starker Übelkeit oder Erbrechen kaum Flüssigkeit oder Nahrung bei dir behalten kannst.
Tee kann wunderbar sein.
Tee muss aber nicht auch noch deine Geburtsmedizin übernehmen.
Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel sind noch einmal ein anderes Thema
Eine Tasse Kräutertee und ein konzentriertes Nahrungsergänzungsmittel mit derselben Pflanze können völlig unterschiedliche Mengen bestimmter Pflanzenstoffe liefern.
Das ist wichtig, weil schnell der Gedanke entsteht:
Ich habe das als Tee getrunken, also werden die Kapseln wohl auch okay sein.
Nicht unbedingt.
Nahrungsergänzungsmittel können konzentrierte Extrakte oder deutlich größere Mengen pflanzlicher Inhaltsstoffe enthalten, als du mit einem normalen Aufguss aufnehmen würdest.
Die Verbraucherzentrale weist außerdem darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel Wechselwirkungen und Gegenanzeigen haben können und gerade während der Schwangerschaft besondere Vorsicht sinnvoll ist.
Wenn du Medikamente einnimmst, solltest du deiner medizinischen Betreuung auch von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln erzählen.
Dein Körper sortiert schließlich nicht automatisch in die Kategorien „süß und natürlich“ und „ernsthafte Medizin“.
Warum wissen wir über Kräuter in der Schwangerschaft nicht mehr?
Eine berechtigte Frage.
Bei vielen Pflanzen wirst du immer wieder Formulierungen lesen wie:
„Unzureichende Datenlage.“
„Sicherheit nicht nachgewiesen.“
„Weitere Forschung erforderlich.“
Das kann frustrierend sein.
Aber Forschung während der Schwangerschaft hat offensichtliche ethische und praktische Grenzen. Forschende können Schwangere nicht einfach gezielt Stoffen mit unbekannter Sicherheit aussetzen, um zu sehen, was passiert.
Traditionelle Pflanzenpräparate sind außerdem häufig erheblich weniger umfassend untersucht als Arzneimittel.
Wenn keine ausreichenden Daten existieren, bedeutet das deshalb nicht automatisch:
„Diese Pflanze ist gefährlich.“
Es bedeutet aber genauso wenig:
„Wir verwenden sie seit Jahrhunderten, also ist sie garantiert sicher.“
Manchmal wissen wir einfach noch nicht genug.
Und während einer Schwangerschaft kann gerade diese Unsicherheit ein guter Grund sein, vorsichtiger zu sein.
Welchen Kräutertee darf man in der Schwangerschaft trinken?
Wir würden dir liebend gern eine wunderschön einfache Liste geben mit der Überschrift:
JA. DIESE HIER.
Leider wäre das nicht besonders verantwortungsvoll.
Ob ein Kräutertee während der Schwangerschaft geeignet ist, kann unter anderem davon abhängen:
- welche Pflanzen enthalten sind
- wie viel davon im Produkt steckt
- ob es sich um einen normalen Aufguss oder eine konzentrierte Zubereitung handelt
- wie häufig und in welcher Menge du ihn trinkst
- in welcher Phase der Schwangerschaft du dich befindest
- von deinen individuellen gesundheitlichen Umständen
- von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln, die du einnimmst.
Bei koffeinhaltigen Tees solltest du außerdem die gesamte tägliche Koffeinmenge im Blick behalten. Als Richtwert gelten während der Schwangerschaft bis zu 200 mg Koffein pro Tag aus allen Quellen.
Bei unbekannten Pflanzen, komplexen Kräutermischungen oder Produkten, die du gezielt wegen einer bestimmten medizinischen Wirkung trinken möchtest, lohnt sich eine Rückfrage in der Apotheke, bei deiner Hebamme oder ärztlichen Betreuung.
Du musst schließlich nicht noch vor dem Frühstück in botanischer Pharmakologie promovieren.
Quellen & weiterführende Informationen
gesund.bund.de: Was ist in der Schwangerschaft erlaubt?
Deutschsprachige Informationen unter anderem zu Koffein während der Schwangerschaft und dem Richtwert von maximal 200 mg täglich. https://gesund.bund.de/schwangerschaft-erlaubt
Gesund ins Leben: Essen und Trinken in der Schwangerschaft
Informationen des Netzwerks Gesund ins Leben zur Ernährung während der Schwangerschaft, darunter Koffein sowie der Hinweis, bei größeren Mengen Lakritz vorsichtig zu sein. https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-familien/fit-durch-die-schwangerschaft/essen-und-trinken-in-der-schwangerschaft/
Gesund ins Leben: Koffein in der Schwangerschaft
Ausführlichere Informationen zur Empfehlung, die tägliche Koffeinaufnahme aus allen Quellen auf maximal 200 mg zu begrenzen. https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-fachkreise/familien-vor-und-in-der-schwangerschaft/handlungsempfehlungen/weitere-gesundheitsaspekte/koffein-in-der-schwangerschaft/
Embryotox: Ingwer
Das Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité fasst die vorhandenen Erfahrungen zu Ingwer während Schwangerschaft und Stillzeit zusammen. https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/ansicht/medikament/ingwer
Embryotox: Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen
Informationen zur Evidenz verschiedener Maßnahmen bei Schwangerschaftsübelkeit, darunter auch Ingwer. https://www.embryotox.de/erkrankungen/details/ansicht/erkrankung/emesis-gravidarum-hyperemesis-gravidarum
Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Peppermint Leaf, Raspberry Leaf und Sage Leaf
Die pflanzlichen Monografien der EMA liefern Informationen zur medizinischen Anwendung bestimmter Zubereitungen aus Pfefferminze, Himbeerblättern und Salbei sowie zur jeweiligen Datenlage während Schwangerschaft und Stillzeit. EMA: Sage leaf
Verbraucherzentrale: Nahrungsergänzung in Schwangerschaft und Stillzeit
Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln rund um Schwangerschaft und Stillzeit sowie zu möglichen Wechselwirkungen und Gegenanzeigen. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/wechsel-und-nebenwirkung-gegenanzeige-was-nahrungsergaenzung-verschweigt-50991
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Pflanzliche Produkte sind während der Schwangerschaft nicht automatisch für alle Menschen geeignet und können mit Arzneimitteln wechselwirken. Wenn du schwanger bist und dir bei einem Kräutertee, Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzlichen Arzneimittel unsicher bist, wende dich an deine Hebamme, eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apotheke.